In aller Klarheit: Dies war noch nicht das Foto des Tages, sondern eins von letzter Woche, obwohl der verregnete Straßenumzug, der darauf zu erkennen ist, in einem Zusammenhang mit der heutigen Aufgabe steht. Tagesiegerin der ersten beiden Adventsrätsel ist eine Freundin aus Hamburg, die mir eine WhatsApp-Nachricht schickte. Ich zitiere: „Das erste ist das Rockefeller Center (Wahnsinns Blick von da oben) das zweite müsste die Federal Hall bzw. Nassau Street sein (ich gebe zu, dass ich nochmal auf den Stadtplan geschaut habe) Wir sind da mit der Demo von Greta Thunberg längs gegangen…. Blickrichtung Central Park…?.“ Eine spannende historische Zusatzinformation. Das gibt einen Extrapunkt. Ein Stadtplan ist ein legitimes Hilfsmittel, auch GoogleMaps ist erlaubt. Bilderkennung mit KI wäre Schummelei, aber da ich es nicht nachprüfen kann, macht das Verbot keinen Sinn. Bitte spielt fair. Antworten via WhatsApp war nicht ganz regelkonform, aber da die Anmeldung bei WordPress offenbar nicht trivial ist, wie mir von verschiedener Seite gesagt wurde, lasse ich das gelten.

Auf meiner Fotowanderung durch Manhattan bin ich gestern irgendwann zum Village Vanguard gelangt, wo die legendäre Village Vanguard Band jeden Montag spielt. Das Ticketing-System hatte meine ausländische Kreditkarte nicht akzeptiert, weshalb ich auf gut Glück probierte, noch Einlass zu bekommen. Vor Ort musste ich – obwohl ich als erster vor der Tür stand – gut 45 Minuten in eisiger Kälte in der Schlange warten, weil zunächst alle Gäste mit Karte hineingelassen wurden. In Nordamerika steht man häufig in line, zum Beispiel vor gepriesenen Bagel-Shops oder vor Klamottenläden mit erfolgreichem Social Media Auftritt. Das konnte ich zum Beispiel in Toronto beobachten, wo ich mich über die sehr lange, mehrfach gewundene Schlange vor einem Laden namens Brandy Melville wunderte und lernte, dass „Brandy Melville in line waiting“ zu einem eigenen Begriff geworden ist, was zum Image der insbesondere bei Swifties erfolgreichen Ladenkette beitragen mag, von denen gerade viele in der Stadt waren. Es sei ein exklusiver Laden, mit einem unsympathisch exkludierenden Konzept, wie ich von einem Verwandten telefonisch erfuhr. Wieso? Ob es dort etwas Besonderes gebe, wofür es sich lohne, so lange in der queue anzustehen, fragte ich. Nein, ich müsse mich auch gar nicht erst anstellen, weil ich vermutlich sowieso nicht durch die Eingangstür passen würde. Das sei Menschen der Konfektionsgrößen S und XS vorbehalten. Außerdem stehe man in Nordamerika nicht in queue, sondern in line. Da war ich ganz froh, denn es war auch schon in Kanada recht kalt. Vor dem Village Vanguard wartete ich gestern dann doch frierend in queue, zumindest die erste halbe Stunde, weil ich in der Zeit ein kurzweiliges Gespräch mit einem Musiker aus England führen durfte. Ein Cembalist, der mit dem britischen consort of viol „Fretwork“ angereist war, um ein Konzert in der Carnegie Hall zu geben. Allerdings erst morgen, also heute. Den Vorabend hatte er frei für den Besuch eines Jazzkonzerts. Er war offenbar nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, sondern erwies sich auch musikwissenschaftlich als Experte und konnte auf alle meine Fragen zur englischen Musik des 17. Jahrhunderts antworten – ein Thema, über das er seine Doktorarbeit geschrieben hatte. Schnell wurde ich von seiner Begeisterung angesteckt und vergaß die Kälte, bis unser Kolloquium jäh unterbrochen wurde, weil er als Kartenbesitzer Einlass bekam, während ich noch eine Weile Schlange stehen musste, bis mir ein Restplatz zugewiesen wurde. Ein tolles Konzert übrigens, mit virtuos-schrägen Arrangements von Thad JonesBob Brookmeyer und anderen, gespielt von goßartigen Musikern. Leider schaffe ich es heute Abend nicht zu Fretwork in die Carnegie Hall. Vielleicht kommen die ja mal nach Köln.

Der Kommentar des Lesers christopherwallbaum macht mir übrigens klar, dass ich die Aufgabenstellungen noch präziser formulieren muss und dass zusätzliche Materialien irreführend wirken können. Als Lehrer weiß ich das im Grunde. Aber ist nicht die Unterscheidung zwischen relevanten und irrelevanten Informationen Teil der Leistung? Das hätte ich vielleicht sagen sollen. Heute versuche ich genau zu sein und öffne an dieser Stelle das Türchen zum 3. Dezember. An welchem Gebäude bin ich gestern auf meinem Weg vom Rockefeller Center zum Village Vanguard vorbeigekommen? Hier ist das Foto zum Rätsel:

Ich bin gespannt auf die Antworten. Nun gehe ich gleich erst einmal ins Teachers College, um mir Semesterabschlusspräsentationen der Musikpädagogik-Doktorand*innen anzuhören, von denen ich einige ja eine Weile mit begleiten durfte. Ich freue mich drauf. Bis morgen!

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