Das Geheimnis des siebten Dezember, die Lage der Christbaumkugeln im Brunnen, ist gelüftet. Ich zitiere aus der Nachricht, die mich heute morgen erreichte: „Ich kenne den Ort zwar nicht, aber lt. Google Maps handelt es sich um die Giant Red Ornaments an der 6th, zwischen 49. und 50.“ Richtig. Die Radio City Music Hall auf der anderen Straßenseite ist schon Teil des Rockefeller Center. Die Weihnachtsshow Christmas Spectacular starring the Radio City Rockettes, die dort gerade läuft, werde ich wohl verpassen. Ich muss noch so viel anderes erledigen. Vor einigen Tagen habe ich ein Konzert mit Studierenden des Columbia University Louis Armstrong Jazz Performance Program besucht. Es fand in einem schönen Saal der Universität statt, im dem ich zum ersten Mal war: The Forum, nicht direkt auf dem Campus, aber auch am Broadway, Höhe 125ste Straße. Der Trompeter Peter Evans, den ich vorher nicht kannte, aber nun in meine Spotify Bibliothek aufgenommen habe, hatte als Gastdozent mit den Studierenden gearbeitet und stand am Abend bei einigen Stücken mit auf der Bühne. Die drei studentischen Ensembles waren großartig und die Freunde und Verwandten im Publikum hatten viel Spaß.

Noch nicht gelöst ist das gestrige Rätsel. Das obige Foto mag Euch bei der Erinnerung an einen Spaziergang beim letzten New York Aufenthalt helfen. Die Adventsdekoration müsst Ihr Euch wegdenken. Ich bin vom MET Museum schräg durch den Central Park zum Columbus Circle gelaufen und habe unterwegs Bilder genommen.

Die beiden Fotos zur heutigen Aufgabe wurden am Ende eines Wochenendes in Connecticut geschossen. Mein Nachbar und ich brauchten eine gute Stunde mit dem Nahverkehrszug und wurden dann mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt. Eine Kollegin und ein Kollege am Teachers College hatten uns zu einer Art zweiten Thanksgiving-Party in ihr großes Landhaus eingeladen, direkt an der Grenze zum Bundestaat New York, mit einigen Gästezimmern. Die Grundstückspreise sind dort etwas günstiger als in den Suburbs von NYC. Das Haus steht abgelegen auf einem Waldgrundstück und bietet Ruhe und Erholung vom Großstadtleben. In der Nacht zuvor hatte sich ein Bär für den Fischteich im Garten interessiert, wie die Aufzeichnungen der Überwachungskameras zeigten. Welch Unterschied zu Harlem, wo ich bislang nur vielen Eichhörnchen, zahlreichen Vögeln, noch mehr Haushunden und hin und wieder Ratten begegnet war (ist mir ehrlich gesagt lieber als die Begegnung mit einem Bären). In Connecticut gab es weitaus mehr Natur als im Central Park. Wir froren eine Weile draußen an der Feuerstelle und durften dann beim Schmücken des Weihnachtsbaums helfen, was hier gleich nach Thanksgiving erledigt wird. Zu jedem ornament, das aus den beiden großen Kisten gefischt wurde (der Bär war übrigens nicht erfolgreich; die Goldfische schwammen noch fröhlich im Teich), gab es eine Geschichte. Und am Abend Lachs aus anderen Gewässern. Diätprogramm nach Thanksgiving, glücklicherweise.

Ein noch eindrucksvolleres Ereignis aber wurde mir auf der Rückfahrt nach New York geboten, wofür wir zunächst von dem Örtchen Brewster aus ein gutes Stündchen Richtung Westen fahren und dabei den Hudson überqueren mussten. Es ging darum, mir ein echt amerikanisches Black Friday Shopping Erlebnis zu vermitteln. Hätte ich das nicht auch Downtown haben können, fragte ich, doch wurde mir versichert, das sei nicht mit der Erfahrung in dem bekannten Premium Outlet Center vergleichbar, das sich als eine Art Shopping Village entpuppte. Ganzjährig geöffnet, aber ein besonderes Erlebnis an den schwarzen Tagen nach Thanksgiving. Es war nicht der erste Besuch der Kollegen, sie kannten sich aus und wären auch ohne mich gefahren, gaben sie zu. Glücklicherweise waren wir nicht schon am eigentlichen Black Friday gekommen, sondern erst am Sonntag, als sich die Kaufwut der Menschen schon wieder etwas gelegt hatte. Wir fanden einen Platz auf einem der flughafenartigen Riesenparkplätze und konnten uns in das Getümmel stürzen, ohne von einer stampede der Schnäppchen-Jäger erfasst zu werden. Teure Markenklamotten, 30, 40, 50% günstiger. Echte Jäger lauern auf 60 oder 70 Prozent Preisnachlass, erfuhr ich. Man brauche Intuition. Und einen Plan, müsse aber flexibel reagieren. Wie beim Improvisieren. Als ich meine Zurückhaltung mit meiner mangelnden Shopping-Erfahrung begründete und damit, ich könne ja sowieso nicht viel mitnehmen zurück nach Deutschland in meinen beiden Koffern, zeigte man mir den TUMI-Kofferladen. Ich blieb aber standhaft und beschränkte mich auf den Kauf eines Hemdes, was mir 90 US-Dollar einbrachte, die ich beim Kauf gespart hatte. It´s a steal ist eine Redewendung, die ich neu lernte. Gut bepackt machten wir uns auf die Rückfahrt durch New Jersey nach New York, zusammen mit all den anderen Schnäppchenjägern und Wochenendausflüglern, und standen vor der Washington Bridge noch eine Weile mit schönem Ausblick auf die Skyline von Manhattan im Stau und führten anspruchsvolle Diskussionen über strittige musikpädagogische Themen. Ein gelungenes Wochenende.

Hat jemand eine Ahnung, wo das Einkaufsparadies liegt? Es steht sogar in Reiseführern, habe ich gesehen, und die meisten Aufschriften waren auf Englisch und Chinesisch. Für einen normalen touristischen New York Besuch ist es vermutlich zu abgelegen.

Nun ist es schon wieder recht spät geworden. Ich hoffe, dass einige diesen Eintrag noch rechtzeitig am 9. Dezember lesen. Das Gutachten ist glücklicherweise fertig. Ich kann also mit gutem Gewissen ins Konzert gehen, genauer ins Tanztheater: Dear Lord, make me beautiful. Noch einmal ins Park Avenue Armory. Ich habe meinen Gastgeber und Nachbarn eingeladen. Die Kritiken in der New York Times waren nicht so gut, aber wir bilden uns selbst ein Urteil.

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