
„Das ist das schöne Karussell im Central Park“ lautet die richtige Lösung zum 8. Dezember. Mich erreichten dazu zwei Nachrichten. „Central Park Carousel!“ hieß es auf Signal schon sportliche drei Minuten nachdem ich den Blogpost hochgeladen hatte. OK, die Aufgabe mit dem Outlet-Center ist schwieriger, denn die sehen vermutlich überall gleich aus. Wir hatten unser Black Friday-Shopping-Erlebnis in dem, das an der Interstate 87 liegt. Der Besuch im Park Avenue Armory war auch ein Erlebnis. Es ist einfach ein großartiges Gebäude. Mein Gast kam etwas später, weil er noch lehren musste. Vor der Vorstellung konnte ich mich deshalb in einem der herrlichen Räume mit Gemälden wichtiger Generäle der amerikanischen Geschichte, Ihr kennt ihn schon vom 11. Oktober, mit einer sehr gesprächigen kulturbeflissenen New Yorkerin unterhalten. Auf Deutsch. Sie bestand darauf und beherrschte es fließend und fehlerfrei, weil sie in den 70ern in Frankfurt und dann Stuttgart aufgewachsenen war, wo ihr Vater eine internationale Wirtschaftskanzlei hatte. Sie selbst habe an der Wall Street für das Pentagon gearbeitet, deutete sie auf meine neugierige Frage an, gab aber nicht mehr Informationen preis, obwohl mich interessiert hätte, ob das US-Ministerium bemüht ist, den Verteidigungshaushalt an der Börse zu verdoppeln. Das wäre vielleicht ein Modell für die schwächelnden deutschen Staatsfinanzen, dachte ich einen Moment. Mit Deutschland kannte sich die offensichtlich wohlhabende Dame exzellent aus und ich glaube, sie wäre um keinen Rat verlegen gewesen. Verständnislos kopfschüttelnd äußerte sie sich zum Zustand unserer Koalitionsregierung und zur kriselnden wirtschaftlichen Lage und stellte mir gut informierte Fragen, ließ mich allerdings wenig zu Wort kommen, sondern hatte meist schon eine Antwort. Interessant fand ich ihre politische Analyse, dass der wesentliche Unterschied zwischen der in besorgniserregender Weise erstarkenden Rechten in Deutschland zu den USA liege darin, dass Trump keine Philosophie habe, glücklicherweise. Ich durfte ein paar Sätze zu meinem Musikpädagogik angesichts der Klimakrise-Projekt sagen, was sie erstaunlich fand, dann aber nickend meinte, das mit der Ökologie sei in Deutschland ja schon in den 70er Jahren ein großes Thema gewesen. Vorbildlich. Ansonsten bedauere sie alle Menschen, die nicht in New York leben und das Kulturangebot genießen können. Sie begann aufzuzählen, welche Inszenierungen an der Metropolitan Opera ich versäumen würde im nächsten Frühjahr und welche berühmten Dirigenten in der Stadt sein würden. Das machte mich traurig, obwohl ich die Met ja kürzlich schon besucht hatte (das war ein Hinweis), und ich wandte ein, dass es in Berlin ja immerhin eine interessante alternative Theater-, Tanz und Musikszene geben würde, was von ihr aber – wie ich finde etwas Upper-East-Side-hochnäsig – mit der Einschätzung quittiert wurde, die Berliner Philharmoniker hätten längst nicht mehr das Weltniveau wie damals unter Karajan und Abbado. Das Tanztheaterstück von Kyle Abraham war auch nur die ersten 20 Minuten spannend, dann wiederholte sich vieles. Schade, dass die Musiker/innen des yMusic-Ensembles hinter einer Wand versteckt saßen. So gab es nur wenige Momente, in denen merkbar war, dass die Musik nicht vom Band kommt. Ich muss die Kritik in der New York Times eigentlich nochmal lesen. Aus meiner Formulierung „Musik vom Band“ wird vermutlich deutlich, aus welcher Zeit ich stamme. Mit meinem Gast und Nachbarn war ich mir einig, dass es in jedem Fall großartig ist, Kulturveranstaltungen zu besuchen, und dass gerne mal eine dabei sein darf, die nicht ganz vorne mitspielt. Mich hätte interessiert, wie das die stolze New Yorkerin sieht, aber ich hab sie nicht mehr getroffen nach der Vorstellung.

Bevor ich gleich zu weiteren Semesterabschlusspräsentationen der doctoral students am TC gehe (wovon ich bei nächster Gelegenheit berichten werde), stelle ich das heutige Fotorätsel: Wo habe ich mich hier ins Gedrängel gestürzt, um kolumbianische Arepas con queso zu essen und erste (kleine) Weihnachtsgeschenke zu kaufen?

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