
Wieder erreichte mich eine WhatsApp-Nachricht. Es „müsste sich um das Reach New York an der 6th Avenue handeln“, heißt es dort. Auf diese originelle Antwort wäre ich niemals gekommen. Sie stimmt irgendwie, aber doch nicht so ganz. Tatsächlich befindet an dieser Stelle die Klanginstallation „Reach New York“, doch die ist auf dem Foto gar nicht zu sehen, denn sie verbirgt sich unterirdisch auf dem Bahnsteig der subway station. Nicht alles, was existiert, kann man sehen, aber GoogleMaps weiß manches mehr. Ich bin dankbar für den Hinweis und werde mir das Kunstwerk in den kommenden Tagen mal anhören. Reach New York ist aber kein Gebäude, also nicht das Tenement Museum und das Immigrant Museum of Ellis Island „als Pendant zum Auswanderungsmuseum auf der Veedel“ in Hamburg, wie man vermuten könnte. Die Frage ist also noch offen: Was befindet sich oberhalb der Klanginstallation? Auf den Fotos oben und unten und im folgenden Absatz finden sich ein paar unverkennbare Hinweise.

Ich hatte angekündigt, etwas zu Thanskgiving zu schreiben. Der 28. November war der erste Regentag, den ich während meines Aufenthaltes erlebte. Das war insofern ungünstig, als ich mir vorgenommen hatte, mir morgens die Macy´s Street Parade anzuschauen. Live, nicht auf dem Fernseher. Das Kaufhaus Macy´s dürfte nach meiner Schätzung so groß sein wie das Kaufhaus des Westens, das Alsterhaus und Harrods in London zusammengenommen. Ein Straßenblock auf neun Etagen. Das Produktsortiment ist ähnlich wie woanders auch, aber sehenswert sind die alten Holzrolltreppen in den oberen Stockwerken. Viele Filialen in den USA mussten schließen, seit Amazon seinen Siegeszug angetreten hat, aber das Kaufhaus zwischen 34ster und 35ster Straße scheint eine Institution zu sein, die Einzug in die New York-Reiseführer gefunden hat. Daran muss Galeria Kaufhof noch arbeiten. Eine Street Parade zu veranstalten ist eine gute Idee, aber es braucht wohl eine gewisse Zeit, bis sich eine solche Tradition etabliert. Für viele US-Amerikaner ist es eine nostalgische Veranstaltung, wir mir berichtet wurde, denn sie sind damit aufgewachsen, dass am Morgen von Thanksgiving der Fernseher läuft und der Umzug live übertragen wird, während die Gerichte für das Fest vorbereitet werden. Es ist ein Ereignis, das die Bevölkerung eint und versöhnt, über alle politischen Gräben hinweg, wurde mir versichert. Dafür muss die Parade etwas altmodisch und so brav und unpolitisch sein, wie sie ist. Am Vorabend hätte ich mir schon das Aufblasen der riesigen Ballons anschauen können, auch ein großes Ereignis, das auf allen Fernsehkanälen übertragen wird. Stattdessen ich bin wie viele andere tapfer am nächsten Morgen mit Regenschirm losgezogen. Ich brauchte eine Weile, bis ich Höhe 70ste Straße am Rande des Central Park eine geeignete Stelle mit Sicht fand. Um einen Platz direkt an der Straße in erster Reihe zu bekommen, hätte ich noch viel eher aufstehen und um 6 Uhr morgens vor Ort sein müssen. So tapfer war ich nicht und habe alle bewundert und bedauert, die schon 2,5 Stunden im Regen ausgeharrt hatten. Erstaunt war ich über die Lücken zwischen den geschmückten Wagen und den Marching Bands und den lustigen Ballon-Figuren aus der amerikanischen Populärkultur. Ist vermutlich schwierig die kontinuierliche und lückenlose Abfolge des Umzugs zu organisieren, dachte ich, bei dem strömenden Regen, wo alle Tänzer*innen und Musiker*innen durchsichtige Regencapes anziehen mussten. Mein Nachbar lachte mich aus, als ich das berichtete. Das seien die Werbepausen, erklärte er mir. Der Umzug läuft auf dem Weg vom Naturhistorischen Museum zum Herald Square an verschiedenen Stellen an den Kameras der TV-Sender vorbei und damit Platz für Werbezeit bleibt, gebe es größere Lücken zwischen den Wagen.

Nach dem feuchten Großereignis musste ich mich eine Weile unter die heiße Dusche stellen, dann habe ich mich umgezogen und die gesamte Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Frisch gekleidet, etwas zu förmlich-feierlich wie ich später feststellte, machte ich mich mit dem gut gefüllten Nahverkehrszug auf den Weg in einen Vorort New Yorks, wo die Familienfier stattfand. Mein Cousin hatte mich eingeladen. Seine Söhne und Enkelkinder, Schwager und Familie feiern traditionell zusammen. Und an Thanksgiving lässt man niemanden allein, wurde mir gesagt, schon gar nicht die europäische Verwandtschaft. Davon später mehr.
Und hier folgt die heutige Aufgabe mit dem Foto des Tages, das auch auf dem Weg ins Village Vanguard entstanden ist. Wo ist das bloß?

Schreibt Eure Antworten in die Kommentare. Ich bin gespannt. Jetzt muss ich mich auf den Weg machen, um eine Veranstaltung zu besuchen. Wo, verrate ich nicht.
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