
Das Foto täuscht. Es ist vor einigen Tagen bei dem Spaziergang im Central Park entstanden. Heute regnet es. Aber das Rätsel des 5. Dezember ist gelöst. Wo war ich am Abend des 4. Dezember lautete die Frage. Ich habe mir die Oper Die Frau ohne Schatten von Richard Strauß mit einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal angeschaut. Und zwar, wie in der Nachricht, die gestern ankam, zurecht vermutet wird: „Mir scheint das war in der Metropolitan Opera“. Die ist Teil des Lincoln Center, das ich bei der nächsten New York Reise zu besuchen empfehle. Ganz praktisch, dass verschiedene Veranstaltungssäle um einen Platz versammelt sind. Und wer mag, kann gleich nebenan an der Juilliard School Musik studieren. Die Oper war recht lang, es gab zwei Pausen. In der ersten intermission wurden der Berliner Gastwissenschaftler, der mit mir in der Vorstellung war, und ich von einer einheimischen Besucherin angesprochen, die uns deutsch reden hörte und wissen wollte, ob wir eigentlich irgendetwas vom Text verstehen könnten. Ich hätte kein Wort verstanden, gab ich zu, sondern mich notdürftig am sichtbaren Bühnengeschehen orientiert und glücklicherweise vorher noch einmal nachgelesen, worum es geht. Als sich die Dame dankend entfernt hatte, machte mich mein Begleiter freundlich darauf aufmerksam, dass es vorne am Sitz des Vordermanns eine Anzeige gebe, auf der man den Text verfolgen könne, wahlweise auf Englisch, Spanisch und original auf Deutsch. Der Hinweis war hilfreich. Ich sollte öfter in die Oper gehen. Akt 2 und 3 machten dadurch noch mehr Spaß. „Das Libretto gilt allerdings als mit missverständlichen Symbolen überfrachtet“, heißt es auf Wikipedia. Dem Urteil kann ich mich anschließen. Die märchenhafte Sprache von Hofmannsthal war trotz Untertiteln nur schwer zu verstehen und ich linste gelegentlich auf die Anzeige schräg vor mir, um die englische Übersetzung zu bewundern. Eine unmögliche Aufgabe. Dort stand ein anderes Stück. Die Musik des riesigen Orchesters (es hätte wirklich keine Triangel mehr in den Orchestergraben gepasst) hat eine dem Text ähnliche „Tendenz zum Überschüssigen“, wie der Opernführer von Ulrich Schreiber im Wikipedia-Artikel zitiert wird, was mir aber passend erscheint. Untertitel hätte ich auch gebrauchen können, meinte mein Nachbar, der am gleichen Abend King Lear in einer Inszenierung mit Kenneth Branagh im neuen Aufführungsort The Shed am nördlichen Ende der Highline besucht hatte. Das Shakespeare-Englisch habe auch ihn als Muttersprachler etwas überfordert. Das Stück hätte ich natürlich auch gerne gesehen, nach gründlicher Vorbereitung, aber New Yorks Kulturangebot verlangt Entscheidungen.

Den Ort des Holiday Markets, den ich gestern gezeigt habe, hat offenbar niemand erkannt. Dabei war davon schon die Rede. Trotzdem verständlich, denn der Platz sieht mit den Weihnachtsbuden deutlich anders aus als ohne. Es wäre falsch zu schreiben „als in der Hauptsaison“, denn die Menge an Touristen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und in der Innenstadt vermittelt mir eher den Eindruck, als würden sich New York-Reisen in der Vorweihnachtszeit besonderer Beliebtheit erfreuen. Auf dem obigen Bild erkennt man – zugegeben: recht klein – auf einer Anzeige die Ausstellung, die dort gerade in einem Museum läuft. Das könnte bei der Suche helfen. Auch der Hinweis, dass ich kurz zuvor das folgende Foto aufgenommen habe, mag als Unterstützung dienen. Das ist gleichzeitig die heutige Adventsaufgabe. Wo ist das?

Die Weihnachtsmenschen-Nikoläuse in der Kutsche schauen auf die beiden Engel auf dem Platz unterhalb, die ihnen (und allen anderen Anwesenden) singend verkünden, dass sie auserwählt seien. Weihnachtslieder haben sie leider nicht gesungen. Ich muss dringend noch ein Chorkonzert besuchen, um in die richtige Stimmung zu kommen. Messiah im Lincoln Center habe ich verpasst. Irgendwo in der Stadt muss doch das Weihnachtsoratorium laufen. Wenn jemand was entdeckt, gerne Bescheid geben. So richtige Plätzchen habe ich auch noch keine finden können, nur cookies. Die deutsche Kollegin von der NYU hat eine Konferenzreise nach Europa Ende November genutzt, um sich mit Zimtsternen und Vanillekipferl einzudecken. Ich hoffe nun auf den vierten Adventssonntag zurück in Deutschland.

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